Vegetarisches Fleisch und fettfreies Fett
Novel Food, das sind neuartige Lebensmittel, die durch chemische, technische oder gentechnologische Verfahren entstehen. Auf großen internationalen Nahrungsmittelmessen sind inzwischen jede Menge unterschiedlichste „Leckerbissen“ zu begutachten: vom potenzfördernden Joghurt bis zum vegetarischen Fleisch, von der Antikaries-Tomate bis zum Erbsenkonzentrat gegen Krebs.
In den USA, wo viele Ernährungstrends ihren Ursprung haben, kam z. B. ein fettfreies Fett auf den Markt. Genauer gesagt, ein Fett, das zwar schmeckt wie Fett, aber nicht fett macht, da es der menschliche Verdauungsapparat gar nicht abbauen kann. Es wandert einfach unverarbeitet durch den Körper. Olestra heißt es und wird in den USA unter anderem für die Herstellung von Chips verwendet. Bei größeren Mengen führt es allerdings zu Magenkrämpfen und unangenehmem Durchfall. Auf dem europäischen Markt ist Olestra deshalb nicht zugelassen. Auf Fett sollte man ohnehin nicht ganz verzichten, denn Fett ist nicht nur Geschmacksträger, sondern liefert auch Vitamine!
Gentechnik: Chance oder Risiko?
Chance
Häufig ist bei Novel Food Gentechnik mit im Spiel. Das heißt, dass das Erbgut eines Organismus im Labor manipuliert wird, sodass beispielsweise Pflanzen schneller wachsen, größer werden oder widerstandsfähiger sind. Das bekannteste Beispiel ist Genmais. Er wurde so verändert, dass er die Gifte zur Bekämpfung von Schädlingen selbst bildet. Damit werden die Schädlinge abgetötet, sobald sie den Mais fressen. Dieser Genmais ist teilweise auch in der EU zugelassen.
Fast genauso bekannt ist inzwischen die Flavr-Savr-Tomate aus den USA, bei der lediglich das „Gammel-Gen“ ausgeschaltet wurde, sodass die Anti-Matsch-Tomate nun wochenlang gelagert werden kann, ohne zu verderben.
Manche halten Novel Food für die Lösung des Hungerproblems in der Dritten Welt. Mit einem Reis, der sowohl insekten- als auch pilzresistent ist und zudem vitamin- und eisenreich, will man dem Hunger zu Leibe rücken. Das ist aber umstritten, denn dass so viele Menschen auf der Welt hungern müssen, liegt eigentlich nicht daran, dass es insgesamt zu wenig Nahrung auf der Welt gibt. Es ist vor allem eine Frage der Verteilung.
Risiko
Gentechnik ist bei Verbraucherinstitutionen, Naturschützern und Politikern sehr umstritten.
Bislang weiß man nichts über mögliche Langzeitfolgen von genveränderten Pflanzen – weder für die Umwelt noch für die Menschen und Tiere, die sich davon ernähren. Beispielsweise könnte das ökologische Gleichgewicht durch Genpflanzen gestört werden. Außerdem ist noch nicht sicher, ob der Verzehr dieser Lebensmittel auch wirklich gesund ist. Manche Kritiker befürchten beispielsweise, dass die Menschen in Zukunft immer mehr Allergien entwickeln werden oder gegen bestimmte Antibiotika resistent werden.
Bewusst einkaufen
In der Europäischen Union muss gekennzeichnet werden, ob ein Lebensmittel gentechnisch verändert wurde. Es müssen also alle Nahrungsmittel entsprechend ausgewiesen werden, wenn die Verarbeitung von Genmais oder Gensoja beabsichtigt und nachweisbar ist. Es gibt aber noch einige Ausnahmen und Lücken. Verbraucherschützer kritisieren deshalb eine unzureichende Kennzeichnung. Sie fordern hier eine Verbesserung, damit jeder frei entscheiden kann, ob er Lebensmittel kaufen möchte, bei denen Gentechnik zum Einsatz kam.
Bildquelle: iStockPhoto
Aktuelle Beiträge des HGD-Wettbewerbs