ESS-O-ESS
Oft beginnt es ganz harmlos. Wie bei Nadja: Sie war zwölf und leicht pummelig, als sie eines Tages beschloss, auf Diät zu gehen. Sie wollte endlich so sein wie die Models im Fernsehen. Alle fanden es prima, wie sehr sie nun auf ihre Ernährung achtete. Innerhalb weniger Monate hatte sie ihr Traumgewicht erreicht. Doch Nadja war unzufrieden: Po und Oberschenkel waren ihr immer noch zu fett. Sie fing an, jede Kalorie zu zählen, trieb wie besessen Sport. Alles drehte sich nur ums Gewicht. Manchmal aß sie nur einen halben Apfel am Tag, manchmal auch tagelang gar nichts. Drei Jahre später wurde Nadja ins Krankenhaus eingeliefert. Sie konnte sich kaum auf den Beinen halten. Nadja wog 31 Kilogramm. Ein Wunder, dass ihr Herz noch schlug. Sie hatte Magersucht.
So wie Nadja geht es in Deutschland bereits vielen Mädchen und inzwischen auch immer mehr Jungs. Sie eifern dem Schlankheitswahn der Stars nach, suchen nach Anerkennung oder Halt durch ein streng kontrolliertes Essverhalten. Jeder fünfte Jugendliche in Deutschland im Alter von 11 bis 17 Jahren weist heute Symptome einer Essstörung auf!
Neben Magersucht sind Bulimie und Binge Eating Disorder besonders Magersucht häufig.
Magersucht.
Sie ist die bekannteste und auffälligste Essstörung. Magersüchtige essen wenig bis gar nichts und treiben häufig exzessiv Sport. Aus Furcht vor Gewichtszunahme kontrollieren viele ihr Gewicht zusätzlich durch die Einnahme von Appetitzüglern, Abführmitteln oder Entwässerungstabletten. Typisches Kennzeichen ist ein gestörtes Körperbild: Auch wenn der Spiegel längst einen abgemagerten Körper zeigt, leiden Magersüchtige weiterhin unter der Angst, zu dick zu sein. Die Betroffenen isolieren sich meist und ziehen sich in ihre eigene Welt zurück. Sie sind stolz darauf, dass sie sich so gut „unter Kontrolle“ haben.
In besonders schweren Fällen kann Magersucht mit dem Tod enden.
Bulimie (Ess-Brech-Sucht)
Typisch für Bulimie (griechisch „Ochsenhunger“) sind extreme Fressattacken, bei denen riesige Mengen an Nahrungsmitteln (meist Chips, Eis, Schokolade) innerhalb kürzester Zeit verschlungen werden. Anschließend erbrechen sich die Betroffenen oder schlucken Abführmittel, treiben extrem viel Sport oder halten strikt Diät bis zum nächsten Heißhungeranfall.
Bulimie ist oft eine heimliche Krankheit. Vor Freunden und in der Familie verhalten sich Bulimiker unauffällig. Sie haben meist Normalgewicht, halten sich jedoch für zu dick und zu hässlich. Schuld- und Schamgefühle, Depressionen und sogar Selbstmordgedanken sind die seelischen Folgen. Das häufige Erbrechen kann durch die Magensäure außerdem Speiseröhre, Zähnen, Herz und Nieren schaden.
Binge Eating Disorder (Esssucht)
Binge Eating steht für „herunterschlingen“. Ähnlich wie bei Bulimie treten auch hier immer wieder Heißhungerattacken auf. Esssüchtige kennen kein Sättigungsgefühl und stopfen zwanghaft große Mengen in sich hinein, bis sie sich unangenehm voll fühlen. Das Essen wird im Unterschied zu Bulimie nicht wieder erbrochen. Dadurch kommt es zu Übergewicht und zu damit verbundenen Belastungen für Herz, Kreislauf, Gelenke, Stoffwechsel und Wirbelsäule.
Binge Eating kann eine Vorstufe von Bulimie sein.
Menschen mit einer Essstörung brauchen medizinische, psychologische und therapeutische Behandlung. Und Freunde, die für sie da sind! Also seht nicht weg, wenn ihr das Gefühl habt, mit einem Freund oder einer Freundin stimmt etwas nicht.
Mehr Informationen findet ihr unter www.bzga-essstoerungen.de.
Zum GEK-Film „Haut“, eine Geschichte über Bulimie, ihre Heilung und eine junge Freundschaft, geht’s HIER.
Hilfe in Anspruch nehmen!
Das Frankfurter Zentrum für Essstörungen berät euch rund um das Thema „Essstörungen“. Ihr erreicht es per Mail unter beratung@essstoerungen-frankfurt.de oder telefonisch unter 069 550176.
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